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Space-Update September 2026: Milliarden, Bedrohungen – und wer sie in Umlaufbahnen verwandelt

September 2026 · Thorsten Schneider

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Launcher Challenge, Iris², Roskosmos, Cyber – die Raumfahrtwoche aus Sicht derer, die die Menschen dafür suchen

Space-Update von FOCUS-DEFENCE, September 2026. Die Raumfahrt ist in dieser Woche mit Milliarden, Bedrohungen und großen Worten in die Schlagzeilen zurückgekehrt. Wir haben die Meldungen aus dem Space.Table-Briefing vom 4. September sortiert und mit dem Blick betrachtet, der uns täglich beschäftigt: Wer sind die Menschen, die das umsetzen sollen?

Der Zugang zum All ist „niemals garantiert”

Die ESA hat es amtlich gemacht: Isar Aerospace (197,8 Millionen Euro), Rocket Factory Augsburg (186,9 Millionen) und PLD Space aus Spanien (158,9 Millionen) haben im Rahmen der European Launcher Challenge Verträge unterzeichnet. Das Geld fließt gegen Meilensteine, und der wichtigste steht fest: Bis Ende 2027 muss jeder Wettbewerber einen Orbitalflug demonstrieren. Gelungen ist das bislang keinem. Isar Aerospace hat seit Januar mehrfach von Andøya aus angesetzt und wieder abgebrochen, RFA musste den Sommerstart ab SaxaVord verschieben, der britische Mitbewerber Orbex ist seit Jahresbeginn insolvent. ESA-Strategiechefin Lucia Linares formuliert es nüchtern: „Der Zugang zum Weltraum ist nicht einfach und niemals garantiert.”

Wer sich einen Moment über die Summen freut, sollte den zweiten Blick auf die Liste werfen. Drei Anbieter, drei Länder, ein Insolvenzfall – das ist keine Industrie, das ist ein Startfeld. Die Serienfabrik von Isar Aerospace, laut Gründer Daniel Metzler die größte Raketenfabrik Europas, steht bereits. Was jetzt zählt, ist nicht mehr Kapital, sondern Zuverlässigkeit: Testkampagnen, Qualitätssicherung, Zulassung, Betrieb. Das sind andere Profile als in der Gründungsphase. Wir sehen in Gesprächen mit Kandidaten aus der Luftfahrt- und Wehrtechnik, dass genau diese Leute – erfahrene Programmleiter, Qualitäts- und Safety-Verantwortliche, Leute, die einen Launch-Betrieb aufgebaut oder ein Entwicklungsprogramm in die Serie überführt haben – bei New-Space-Firmen oft noch fehlen. Das Geld hat die ESA freigegeben. Die Köpfe müssen die Unternehmen selbst finden.

Dazu passt HyImpulse: 50 Millionen Euro aus einer zweiten Serie-A-Runde, darunter Bayern Kapital, BW-Capital und das DLR, Auftragsbestand über 350 Millionen Euro. Bemerkenswert ist, was CEO Christian Schmierer über die suborbitale SR75 sagt: Sie erreicht Mach 5 und eignet sich als Testplattform für Hyperschalltechnologien – „wir sprechen dazu sowohl mit Industriepartnern als auch mit Verteidigungsministerien in europäischen Ländern”. Die Grenze zwischen ziviler Raumfahrt und Verteidigung verschwindet nicht langsam. Sie ist weg.

Iris²: Von sechs auf 15,6 Milliarden

OHB aus Bremen erhält von SES einen Auftrag über knapp eine Milliarde Euro für 18 MEO-Satellitenplattformen der europäischen Sicherheitskonstellation Iris². Erste Starts 2029, erste Dienste 2030. Das ist ein Erfolg für den deutschen Standort. Es ist aber auch die Geschichte eines Programms, das 2022 mit rund sechs Milliarden Euro und Einsatzbereitschaft 2027 angekündigt wurde und laut Handelsblatt inzwischen bei 15,6 Milliarden Euro liegt – die Kommission wollte die Zahl weder bestätigen noch dementieren. Wer in Europa Souveränität im All bestellt, bekommt sie. Nur nicht zum Katalogpreis und nicht zum Liefertermin.

Der Galaxy-Report des Branchenverbands Eurospace liefert die Erklärung dazu gleich mit: 71 Prozent der Umsätze der europäischen Raumfahrtindustrie kommen von institutionellen Kunden, jeder mit eigenen Vorschriften, Beschaffungen bewerten Regelkonformität höher als Leistung. Eurospace-Präsident Marco Fuchs räumt mit einer Lebenslüge auf: Den „großen offenen Markt da draußen”, den Europa angeblich immer verpasst, gebe es nicht. Die Frage sei, ob Europa bereit ist, seine eigene Nachfrage so zu organisieren, dass die Industrie investieren kann. Fünf Empfehlungen folgen, darunter ein „Pakt zur Raumfahrtnachfrage” und eine europäische Präferenz bei strategischen Fähigkeiten. Die Industrie, so heißt es ausdrücklich, fordere keine Subventionen, sondern Nachfrage. Ursula von der Leyen wird am 10. September beim International Space Summit in Paris ihre erste Grundsatzrede zur Raumfahrt halten, mit dem angekündigten „European Space Shield” im Hintergrund. Man darf gespannt sein, ob sie den Report gelesen hat.

Russland öffnet den Zaun

Auf der anderen Seite geschieht etwas, das man vor drei Jahren für undenkbar gehalten hätte: Roskosmos öffnet die Branche für Private. Generaldirektor Dmitri Bakanow sagt offen, seine Organisation habe früher gegen jene gekämpft, „die hinter dem Zaun standen” – heute sei die Aufgabe, sie maximal einzubeziehen. Das Nationalprojekt sieht bis 2036 umgerechnet rund 44 Milliarden Euro für 1.118 Kommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten vor; bis 2030 soll die Hälfte der Produktion zivil und militärisch nutzbar sein, Drohnen ausdrücklich eingeschlossen. Private Investoren wollen für sechs Milliarden Euro eine Startrampe in Wostotschny bauen.

Man muss das nicht überschätzen. Russische Wagniskapitalgeber sprechen selbst von fünf bis sieben Jahren Rückstand und fehlendem Risikokapital, und die Ukraine hat mit dem Angriff auf das Progress-Zentrum in Samara gezeigt, dass russische Raumfahrtfertigung ein legitimes Kriegsziel ist. Aber unterschätzen sollte man es auch nicht. Ein Gegner, der seine Raumfahrt konsequent auf Dual-Use ausrichtet und Privatkapital mobilisiert, ist ein anderer Gegner als der staatliche Koloss von gestern.

Die „Vor-Stuxnet-Ära”

Der dritte Strang ist der leiseste und vielleicht der wichtigste. Seit Beginn des Krieges gegen den Iran verzeichnet der Sicherheitsdienstleister Vantor einen Anstieg der Cyberangriffe auf Satelliten und Bodeninfrastruktur um 400 Prozent, mit einem Zusammenwirken von Hacktivisten und staatlichen Akteuren. Der Viasat-Hack vom Februar 2022, der Teile des ukrainischen Militärs und zivile Nutzer in ganz Europa abschnitt, war die Blaupause. CISPA-Forscher Ali Abbasi hält militärische Satelliten für vergleichsweise gut geschützt – ältere und zivile Systeme dagegen für verwundbar und „leicht zu hacken”. Sein Fazit: „Ich glaube, wir leben in einer Vor-Stuxnet-Ära.” Der Einstiegspunkt ist dabei selten der Satellit selbst, sondern die Bodenstation und der Mensch davor: Social Engineering, ein vermeintlicher Vorgesetzter, der dringend Frequenzen und Passwörter braucht. Wer unseren Beitrag zur kritischen Infrastruktur von dieser Woche gelesen hat, erkennt das Muster. Es ist dasselbe.

Und wer führt das alles?

Der Standpunkt von Torsten Kriening (SpaceWatch.Global) im selben Briefing bringt auf den Punkt, was uns als Personalberatung seit Jahren beschäftigt. Anlass ist Trumps Verfügung zu einer „U.S. Space Academy” – noch keine Akademie, nur eine Kommission, aber mit einer Aussage, die Europa angeht: Humankapital ist strategische Infrastruktur. Die ESA beziffert die europäische Raumfahrt-Belegschaft auf 66.100 Menschen und erwartet 104.000 bis 2030. Gleichzeitig hat ein Straßburger Gericht am 7. Juli die International Space University liquidiert, die erste Weltraumuniversität, 6.000 Alumni in 110 Ländern.

Krienings Kernsatz sollte man sich einrahmen: Es fehlt nicht an Ingenieuren, sondern an Menschen, die zwischen Technik und Verwaltung übersetzen können – die einen europäischen Rüstungsauftrag rechtssicher aufsetzen, ein Programm mit Geheimschutzauflagen über mehrere Mitgliedstaaten steuern und das Ergebnis anschließend einem Haushaltsausschuss erklären. Genau diese Profile suchen wir für unsere Mandanten, und genau diese Profile sind rar. Sie entstehen nicht in Trainingswochen. Sie entstehen in Laufbahnen – bei der Bundeswehr, in Beschaffungsämtern, bei ESA und DLR, in Programmen von Airbus, OHB oder Thales, und zunehmend bei den New-Space-Firmen, die gerade lernen, was Serienreife bedeutet.

Geld, schreibt Kriening, war nie der Engpass für europäisches Raumfahrt-Talent; es waren Institutionen. Wir würden ergänzen: und Arbeitgeber, die verstehen, dass ein Programmleiter mit Geheimschutz-Erfahrung und Behördensprache für ein Space-Unternehmen heute wertvoller ist als der zehnte Antriebsingenieur. Die Milliarden sind freigegeben. Die Frage ist, wer sie in Umlaufbahnen verwandelt.

Wenn Sie zu diesen Menschen gehören oder sie suchen: Sprechen Sie mit uns. Persönlich, vertraulich, mit Blick auf Werte und Passung.

Sprechen Sie mit uns. connect@focus-defence.de · +49 30 5444 5899

Quellen

Space.Table (Table.Briefings), Ausgabe 41 vom 4. September 2026 – Beiträge von Ralf Nestler, Gerhard Kowalski, Friedrich List und Torsten Kriening · ESA-Mitteilung zur European Launcher Challenge · Eurospace, „Galaxy”-Report · Handelsblatt zu Iris²-Kosten · Süddeutsche Zeitung, Interview Daniel Metzler

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